Rückblick: Luther-Fieber in Ober-Ohmen

Am 19. und 20. August stand ganz Ober-Ohmen im Zeichen Martin Luthers, der dort auf verschiedenste Art und Weise zu erleben war.

Pilgern: schweigend gehen

Alles begann um 13:30 Uhr mit einer Pilgerwanderung auf dem Lutherweg, die in der Ev. Kirche mit dem Pilgersegen ihren Anfang nahm. Über 80 Teilnehmer begaben sich daraufhin mit der ausgebildeten Pilgerführerin Birgit Kurmis auf Schusters Rappen zu einem wunderschönen Ausblick oberhalb von Ober-Ohmen, wo Sitzgelegenheiten und Getränke auf die Pilger warteten. Der älteste Teilnehmer war mit 86 Jahren Willi Weiß.

Zum Weg gehörten neben schöner Natur und toller Aussicht auch Impulse von Frau Kurmis und Augenblicke des bewussten Schweigens und In-Sich-Gehens.

Markttreiben in Ober-Ohmen

Den Abschluss erlebte die große Pilgergruppe erneut in der Ev. Kirche in Ober-Ohmen, um die herum bereits seit 15 Uhr ein buntes Markttreiben begonnen hatte: Kaffee und Kuchen wurden feilgeboten, ein Schmied beschlug vor den Augen der interessierten Zuschauer ein Pferd.

Zahlreiche Spiel- und Bastelangebote sowie das Kinderschminken luden die Kinder ein, viele Mitarbeiter trugen mittelalterliche Gewänder. Auch bei den Spiel- und Bastelaktionen wurde auf klassisches Material geachtet: Nadelfilzen, Ringwerfen, Sackhüpfen und unzählige Holzklötze passten zum Motto „Anno 1517“. Der Ev. Kindergarten unterstützte die Spielstationen tatkräftig.

Für die Erwachsenen stand ein liebevoll und kreativ gestalteter Besinnungspfad um und in der Kirche bereit, sowie gleich zwei Mal das Luther-Lieder-Singen mit Vikar Jörg Niesner im mittelalterlichen Turm der Kirche, dem ältesten Gebäude Ober-Ohmens.

Jugendliche kamen beim Luther-Live-Escape-Room, einer Art Rätsel-Raum, bei dem ein Team gemeinsam eine Aufgabe rund um den Reformator zu lösen hatte, bei Denny Buhle und den Jugendlichen der Jugendscheune auf ihre Kosten.

Luther-Wochenende in Ober-Ohmen

Essen und Trinken von Vereinen

Für das leibliche Wohl sorgten bezüglich Kaffee und Kuchen die Ev. Kirchengemeinde und die Ev. Chrischona-Gemeinde gemeinsam. Die Getränke wurden vom Gaudi-Club organisiert und verkauft, für Bratwürstchen zeichnete sich der TSV verantwortlich und Hähnchenunterkeulen wurden von den Geflügelfreunden zubereitet.

Nur miteinander war der große Aufwand zu leisten. Edith Schneider, Kirchenvorstandsvorsitzende in Ober-Ohmen, merkte nachher an: „Gerade die Tatsache, dass wir es gemeinsam gestemmt haben, hat dem Wochenende Strahlkraft gegeben.“

Echtes Luther-Theater

Um 18 Uhr begann dann das Bühnenprogramm, durch das Gemeindepädagoge Denny Buhle führte. Eröffnet wurde das Programm durch festliche Klänge des Chrischona Posaunenchors aus Unter-Seibertenrod.

Bühnenreif wurden dann die 95 Thesen von Luther an eine Tür geschlagen, woraus sich das Gespräch Martin Luthers mit einem Menschen aus dem Jahr 2017 ergab. In 4 Theaterszenen machte Luther seine Erfahrungen mit der Gegenwart.

So machte er Erfahrungen mit Bergsteigern, Handys als Navigationsgeräten und der Werbung im Fernsehen. Die Theaterszenen zu den vier Eckpunkten der Reformation (Gnade, Glauben, Bibel, Christus) hatten Jugendliche der Ev. Kirchengemeinde und der Ev. Chrischona-Gemeinde gemeinsam mit Denny Buhle, Matthias Schmidt und Pfr. Markus Witznick in den Ferien erarbeitet, geprobt und dann dort unterhaltsam uraufgeführt.

Der Energy-Drink „Trinity“wird den Zuschauern wohl in Erinnerung bleiben...

Was hat die Reformation mit mir zu tun?

In einer Podiums-Interview-Runde sprachen Salome Schneider, Edith Schneider, Irmtraud Pfeil und Vikar Jörg Niesner sehr persönlich darüber, was die Reformation von vor 500 Jahren mit ihrem Alltag und Leben heute zu tun hat.

Der Tenor: Der Glaube, den Luther in den Mittelpunkt stellte und die Beziehung mit Gott bieten Lebensfreude und Hoffnung. Dieser Glauben trägt durch herausfordernde Lebenssituationen hindurch.

Gesang auf Hochdeutsch und Mundart

Musikalisch wurde der Abend weiterhin vom Gesangverein Ober-Ohmen gestaltet, der mit Gemischtem Chor, Männerchor und Mixed Generation gleich drei Mal auftrat und inhaltlich passende Stücke zum Luther-Thema zum Besten gab. Auch Peter Horst aus Sellnrod brachte sich musikalisch ein.

Ganz nach dem Luther-Motto „dem Volk aus Maul geschaut“ luden Mundart-Lieder der Gruppe Fäägmeel von ihm interpretiert zum Mitsingen ein. Weiterhin gaben Pfarrer Markus Witznick und Gemeinschaftspastor Matthias Schmidt Einblicke in ihre persönlichen Berufungserfahrungen sowie in Eckpunkte und Aussagen Martin Luthers zur Reformation, wobei das Publikum einbezogen wurde.  Mal mussten pantomimisch Begriffe dargestellt werden, mal der Nachbar massiert werden oder das Ende von Werbesprüchen erraten werden.

Abgerundet wurde der Abend erneut vom Posaunenchor, mit dem zum Abschluss das Luther-Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ gemeinsam gesungen wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Sonne schon mit dem Mond getauscht. Ein abwechslungsreicher Tag mit durchgehend gutem Wetter und vielen Besuchern ging zu Ende.

Gottesdienst über drei Wendepunkte

Das Luther-Wochenende jedoch fand seine Fortsetzung am Sonntagmorgen im gemeinsamen Gottesdienst zum Thema „Martin trifft Ober-Ohmen“ in der Ev. Kirche.
 In einer gut gefüllten Kirche eröffnete der Chrischona  Posaunenchor mit einer Variation zu „Ein feste Burg ist unser Gott“.

Gemeinschaftspastor Schmidt, Pfarrer Witznick und Vikar Niesner gestalteten den Gottesdienst inhaltlich und griffen drei Wendepunkte im Leben Martin Luthers szenisch auf.

  • 1517: Luthers Auseinandersetzung mit dem Ablasshandel
  • 1521: Luther vor Kaiser und Reichstag
  • Luther auf der Wartburg und seine Bibelübersetzung

In einer Frühstückszene verglich Pastor Schmidt die Bibel mit der stärkenden Wirkung des morgendlichen Müslis.

Im Gottesdienst wurden auch die Konfirmanden des Kirchspiels vorgestellt. Sie hatten alle etwas mitgebracht, was zu ihrer Person passt. Pfarrer Witznick freut sich mit seinen Kollegen auf die weitere gemeinsame Zeit, in der es gilt, Gott neu zu entdecken.

Helfer aus zwei Gemeinden und vielen Vereinen

Veranstaltet wurde das Luther-Wochenende von der Ev. Kirchengemeinde Ober-Ohmen und der Ev. Chrischona-Gemeinde Bezirk Mücke und zusammen mit zahlreichen Vereinen des Ortes gemeinsam vorbereitet und durchgeführt.

Die Planungen hatten bereits Anfang des Jahres begonnen und die gute Atmosphäre in der Zusammenarbeit wurde allseits geschätzt. Schon am Freitag hatten zahlreiche Helfer beim Aufbau von Zelten und Bühnen großen Einsatz gezeigt. Auch beim Abbau ging es dann sehr zügig, weil viele Hände mit anpackten.

Erlös für Ober-Ohmen und Kambodscha

Übrigens: Der Erlös des Wochenendes – so der Wunsch aller Beteiligten – sollte nicht den eigenen Kassen, sondern anderen zugutekommen. So wurde entschieden, dass 50 % des Erlöses einem Projekt des Ortes dienen sollen, von dem alle profitieren.

Die Wahl fiel auf die Renovierung des Backhauses in Ober-Ohmen. Die andere Hälfte des Erlöses wird einem Bildungsprojekt für Unterprivilegierte in Kambodscha zukommen, das über die OMF (Sitz der OMF Deutschland ist in Mücke-Flensungen) ausgeführt wird und Dörfern ohne Zugang zur Bildung diese ermöglicht.

Der Gedanke dahinter: Nicht nur wir, sondern auch andere sollen nachhaltig satt werden. So kann von diesem schönen Wochenende eine positive langfristige Wirkung ausgehen.

Souvenirs noch zu erhalten

Wer sich ebenfalls noch im Nachhinein an das Wochenende erinnern möchte, der kann einen originalen Luther-Ober-Ohmen-Becher für 7 EUR bei Pfr. Markus Witznick erwerben. Diese wurden bereits am Wochenenden angeboten. Es sind noch Exemplare zu haben.